Warum habe ich Angst, obwohl nichts passiert? Angst verstehen statt bekämpfen
Angst entsteht nicht nur bei echter Gefahr, sondern auch bei allem Unbekannten, Unkontrollierbaren und Außergewöhnlichen – das ist ihr Konstruktionsfehler in der modernen Welt. Der Weg heraus führt nicht über das Abschaffen der Angst, sondern über dein Verhältnis zu ihr. In diesem Beitrag zeige ich dir, warum Angst kein Monster ist, sondern ein Gefühl unter vielen.
Was ist die Amygdala und was hat sie mit Angst zu tun?
Die Amygdala ist ein etwa haselnussgroßer Bereich im Gehirn, auch Mandelkern genannt, und Teil des limbischen Systems. Dort sind drei Urreaktionen angelegt: Angriff, Flucht oder Starre. Vielleicht kennst du das – dass du in einer angespannten Situation innerlich erstarrst, dass du nur noch weg möchtest, oder dass du nach vorne gehst, obwohl ein klarer Kopf besser wäre.
Dieser Mechanismus ist uralt und hat uns über Jahrtausende das Leben gerettet. In der heutigen Welt ist er jedoch weitgehend unterbeschäftigt. Für die meisten von uns gibt es keine echten Gefahren mehr wie einst in der Wildnis, keinen Säbelzahntiger, der um die Ecke kommt.
Und weil dieser Mechanismus unterbeschäftigt ist, meldet er sich manchmal dort, wo gar keine Gefahr ist. Angst vor Spinnen zum Beispiel ist in Mitteleuropa ziemlich irrelevant. In Australien würde ich mir Gedanken machen.
Warum fürchten wir die falschen Dinge?
Wir fürchten die falschen Dinge, weil unser Alarmsystem auf drei Auslöser reagiert: das Unbekannte, das Unkontrollierbare und das Außergewöhnliche. Was wirklich gefährlich ist, erfüllt oft keines dieser Kriterien – und löst deshalb keine Angst aus.
Ein Vergleich, der mich nachdenklich gemacht hat: Weltweit kamen im Jahr 2016 rund 34.000 Menschen durch Terroranschläge ums Leben. Das ist eine erschütternde Zahl, und ich möchte sie nicht kleinreden.
Im selben Zeitraum starben weltweit etwa 18 Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Über die Hälfte dieser Todesfälle lässt sich auf die Ernährung zurückführen. Vor unserem Essen haben wir keine Angst – es ist nicht unbekannt, nicht unkontrollierbar, nicht außergewöhnlich. Es ist einfach Nahrung.
Warum reagieren manche Menschen ängstlicher als andere?
Manche Menschen reagieren stärker auf Angst, weil ihr System von Anfang an empfindlicher eingestellt ist. In Untersuchungen mit Säuglingen wurde beobachtet, wie sie auf Unbekanntes reagieren. Dabei zeigte sich, dass etwa zwanzig Prozent der Kinder deutlich stärker reagierten als die übrigen.
Wenn du zu diesen Menschen gehörst, ist das keine Schwäche und kein Fehler. Es ist deine Ausstattung. Und sie hat eine Kehrseite, die selten genannt wird: Wer feiner spürt, nimmt auch mehr wahr.
Kann man angstfrei leben?
Angstfrei leben kann man nicht – trotz aller Bücher mit diesem Titel. Die Amygdala ist da, und eine ihrer Funktionen ist der Schutz. Angst ganz loszuwerden, wäre gar nicht wünschenswert.
Die eigentliche Frage ist deshalb nicht, wie du die Angst loswirst, sondern wie dein Verhältnis zu ihr aussieht. Du kannst sie als Signal deuten: als Indikator, dass du genauer hinschauen darfst, dass ein wenig Vorsicht dir hier Sicherheit schenkt.
Frag also: Wovor schützt mich diese Angst gerade? Und wenn du Angst davor hast, etwas Bestimmtes zu tun: Entspricht es mir – oder entspricht es mir nicht?
Warum ist Angst nie im Jetzt?
Angst liegt immer in der Zukunft oder in der Vergangenheit. Wir produzieren sie dorthin und holen sie damit in unsere Gegenwart. Sie handelt von etwas, das kommen könnte, oder von etwas, das einmal war.
Das bedeutet auch: Wenn du wirklich bei dir bist, im Hier und Jetzt, in diesem Moment, dann verspürst du keine Angst. Das ist für mich der wichtigste Gedanke dieses Beitrags – und der Grund, warum ich in meiner Arbeit so viel Wert auf das Ankommen im Moment lege.
Angst ist kein Monster. Sie ist ein Gefühl unter vielen.
Wann gehört Angst in professionelle Hände?
Angst gehört in ärztliche oder psychotherapeutische Hände, sobald sie deinen Alltag stark einschränkt. Wenn du Orte oder Situationen meidest, wenn Panikattacken auftreten, wenn du seit Längerem nicht mehr schläfst – dann ist das kein Fall für energetisches Coaching.
Ich sage dir das offen, wenn ich es im Gespräch bemerke, auch wenn es bedeutet, dass wir nicht zusammenarbeiten. Energetisches Coaching arbeitet auf der seelisch-emotionalen Ebene. Es ist ein anderer Zugang, kein Ersatz.
Was kann ich heute tun?
Geh achtsam mit dir um und nimm deine Gefühle aus der Bewertung heraus, aus diesem Raster von gut und schlecht. Spür einfach, wie sie sich anfühlen, und gib dich ihnen hin – nicht aufgeben, hingeben.
Wenn dich konkret Entscheidungen blockieren, findest du dazu einen eigenen Beitrag: Angstfrei entscheiden.
Deine Sternstunde
90 Minuten, in denen wir eine erste Herausforderung bearbeiten. Davor führen wir ein kostenloses, unverbindliches Gespräch. Was dich dort erwartet, steht bei der Sternstunde.
Finde dort heraus, ob ich der richtige Begleiter bin für das, was dich gerade emotional und seelisch beschäftigt.
Dein Weg, dein Tempo, deine Entscheidung.
Ich freue mich zutiefst auf unsere Begegnung. Dein Andreas.
Energetisches Coaching ist keine Heilbehandlung und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnostik und Behandlung.
Kostenloses Gespräch · unverbindlich · du entscheidest in Ruhe
