Schamanische Arbeit in Kempten (Allgäu)
Bodenständig, ohne Folklore und ohne Pflanzen – für das, was Worte nicht erreichen.
Schamanische Arbeit ist eine der ältesten Formen, mit Übergängen, Krisen und Entscheidungen umzugehen. Ihr Kern ist ein bewusst veränderter Wachzustand, der meist durch monotones Trommeln entsteht, sowie die Arbeit mit Bildern und Ritualen. Der Anthropologe Michael Harner fasste die kulturübergreifenden Gemeinsamkeiten in den 1980er-Jahren als Core-Schamanismus zusammen. Genau diese Elemente nutze ich in meiner Praxis in Kempten (Allgäu) – ohne Zeremonialkultur und ohne Substanzen.
Wann das passt
Es gibt Situationen, in denen Analyse nicht weiterkommt. Nicht weil sie zu schwer wären, sondern weil sie nicht auf der Ebene liegen, auf der man denkt. Dafür haben Menschen sehr lange vor der Psychologie Wege gefunden.
- Ein Übergang steht an oder liegt hinter dir: eine Trennung, ein Berufswechsel, der Auszug der Kinder, der Tod eines Menschen.
- Etwas ist formal abgeschlossen, aber innerlich nicht. Der Vertrag ist unterschrieben, die Beerdigung war, und trotzdem hängt es.
- Dir fehlen die Worte für das, worum es eigentlich geht – und alle Gesprächsformate laufen deshalb ins Leere.
- Eine Entscheidung steht an, die sich mit einer Pro-und-contra-Liste nicht lösen lässt.
- Du hast das Gefühl, dass ein Teil von dir irgendwo zurückgeblieben ist – in einer Zeit, an einem Ort, bei einem Menschen.
- Du bist an einem Punkt, an dem du eine Richtung brauchst, keinen weiteren Ratschlag.
Menschen kommen mit dieser Arbeit selten als Erstes zu mir. Meist sind sie schon eine Weile da, und irgendwann zeigt sich, dass ein Thema eher ein Bild braucht als eine Erklärung.
So arbeite ich damit
Der Ablauf
1. Dein Anliegen wird zu einer Frage
Nicht „ich komme in meiner Beziehung nicht weiter", sondern eine Frage, die sich stellen lässt: Was hält mich? Was brauche ich, um zu gehen? Diese Formulierung ist bereits die halbe Arbeit und dauert manchmal zwanzig Minuten.
2. Den Raum vorbereiten
Ich räuchere den Raum und dich – meist mit Palo Santo, Salbei oder Weihrauch. Das ist kein Hokuspokus, sondern ein Signal: Ab jetzt gilt eine andere Ordnung als davor. Menschen schalten über Gerüche schneller um als über Worte. Zum Verteilen des Rauchs nutze ich eine Feder, die ich aus Peru mitgebracht habe.
3. Die Trommelreise
Du liegst, die Augen sind bedeckt. Ich trommle gleichmäßig, etwa vier bis fünf Schläge pro Sekunde, fünfzehn bis fünfundzwanzig Minuten lang. Du hältst deine Frage im Hinterkopf und schaust, was auftaucht: Bilder, Szenen, Tiere, Landschaften, manchmal nur eine Farbe oder ein Satz. Am Ende gibt es ein verändertes Trommelsignal, das dich zurückholt.
Du bist dabei die ganze Zeit ansprechbar. Es ist kein Trancezustand, in dem du die Kontrolle abgibst – eher wie der Zustand kurz vor dem Einschlafen, nur dass du wach genug bleibst, um dich hinterher zu erinnern.
4. Erzählen und übersetzen
Du erzählst, was du gesehen hast. Ich frage nach und deute nicht. Die Bedeutung eines Bildes kennst du, nicht ich – auch wenn du sie im ersten Moment nicht siehst. Meine Aufgabe ist, die richtigen Fragen zu stellen, bis du sie selbst aussprichst.
5. Der konkrete Schritt
Eine Reise, aus der nichts folgt, ist eine schöne Erfahrung und sonst nichts. Deshalb steht am Ende immer etwas Konkretes: ein Satz, den du jemandem sagst. Ein Gegenstand, den du weggibst. Ein Ritual, das etwas abschließt, was innerlich offen geblieben ist. Manchmal ein Termin in deinem Kalender.
Eine Sitzung dauert 90 Minuten. Plan danach ein paar ruhige Stunden ein.
Was die Trommel eigentlich macht
Gleichmäßiges Trommeln im Bereich von vier bis sieben Schlägen pro Sekunde wird in sehr vielen Kulturen genutzt, um veränderte Bewusstseinszustände herzustellen. Die Neurowissenschaft interessiert sich dafür seit einigen Jahrzehnten. Untersucht wird, ob dieser Rhythmus die Hirnaktivität im sogenannten Theta-Bereich verstärkt.
Die Befunde sind uneinheitlich. Einzelne Untersuchungen fanden entsprechende Veränderungen und Erfahrungen von Zeitverlust und Schwerelosigkeit, andere fanden keinen klaren Effekt. Bildgebende Studien zeigen Veränderungen in Hirnnetzwerken, die auch bei Meditation eine Rolle spielen. Das ist interessant, aber es ist kein Beweis für irgendetwas.
Ich erkläre die Wirkung deshalb nicht neurologisch. Was sich beschreiben lässt: Ein gleichbleibender Reiz über zwanzig Minuten, ohne Licht, ohne Sprache, ohne Aufgabe, bringt die meisten Menschen in einen Zustand, in dem Bilder auftauchen, die sonst keine Chance haben. Warum das so ist, weiß ich nicht sicher.
Die Feder aus Peru
Sie stammt aus dem Heiligen Tal in Peru, wo ich zwei Wochen bei einer Schamanin verbracht habe. Ich benutze sie, um Räucherrauch zu verteilen – mehr nicht. Sie hat keine Kräfte, sie ist kein Werkzeug und ich verkaufe keine Geschichte darüber.
Warum sie trotzdem dabei ist: Sie erinnert mich in jeder Sitzung daran, dass diese Arbeit nicht meine Erfindung ist. Ich habe sie von jemandem bekommen, der sie länger und ernsthafter macht als ich. Das hält mich bescheiden, und Bescheidenheit ist in diesem Feld nicht selbstverständlich.
Warum ich mich nicht Schamane nenne
Ein Schamane ist jemand, den eine Gemeinschaft dazu gemacht hat – durch Herkunft, durch jahrelange Lehre, durch eine Aufgabe innerhalb dieser Gemeinschaft. Das trifft auf mich nicht zu, und keine Ausbildung der Welt ändert daran etwas.
Was ich mache, ist etwas anderes: Ich arbeite mit Methoden, die sich in sehr vielen Kulturen unabhängig voneinander finden – Trommel, Bild, Ritual. Michael Harner hat diese Gemeinsamkeiten als Core-Schamanismus zusammengefasst, ausdrücklich ohne die zeremoniellen Bestandteile einzelner indigener Kulturen. Genau in diesem Rahmen bewege ich mich.
Praktisch heißt das: keine Federkronen, keine geliehenen Rituale aus Kulturen, zu denen ich nicht gehöre, keine Titel, die mir niemand verliehen hat. Wer bei mir eine Zeremonie im Andenstil erwartet, wird enttäuscht. Wer eine Trommel, eine ruhige Stunde und jemanden sucht, der mit dem umgehen kann, was dabei auftaucht, ist richtig.
Was sich verändern kann
Was Menschen aus dieser Arbeit mitnehmen, ist meist unspektakulär und bleibt trotzdem.
- Ein Bild, das sich nicht vergessen lässt und Monate später noch etwas bedeutet.
- Eine Entscheidung, die vorher offen war und plötzlich feststeht, ohne dass du sie durchgerechnet hättest.
- Ein Abschluss für etwas, das formal längst vorbei war.
- Der Zugang zu einer Kraftquelle, die du vorher nur zufällig erwischt hast.
- Manchmal: gar kein Bild und trotzdem ein anderes Gefühl danach.
Was ich dir nicht verspreche
Ich hole keine Seelenanteile zurück, ich spreche nicht mit Verstorbenen für dich, ich sage dir deine Zukunft nicht voraus und ich stelle keine Diagnosen. Solche Angebote gibt es, ich mache sie nicht.
Diese Arbeit ist keine Heilbehandlung und hat keine belegte Wirksamkeit im medizinischen Sinn. Bei manchen Menschen taucht kein Bild auf – das ist normal und kein Versagen. Und wenn du nach zwei Sitzungen merkst, dass dieser Zugang nichts für dich ist, sagen wir das offen und arbeiten anders weiter.
Meine Erfahrung damit
Vor einigen Jahren war ich zwei Wochen lang bei einer Schamanin im Heiligen Tal in Peru, gemeinsam mit einem Freund. Kennengelernt hatten wir sie in Portugal und dort bereits mit ihr gearbeitet – die Reise nach Peru war die Fortsetzung, nicht der Anfang.
In diesen zwei Wochen haben wir an sechs Zeremonien mit San Pedro teilgenommen. Das ist eine Kaktuspflanze, die in den Anden seit Jahrtausenden rituell verwendet wird und deren Gebrauch in Peru legal und Teil der örtlichen Tradition ist.
Ich schreibe das hier auf, weil es zu meinem Weg gehört. Und ich schreibe im selben Atemzug dazu: In Deutschland arbeite ich nicht mit Pflanzen. Ich biete nichts dergleichen an, ich vermittle niemanden weiter und ich berate nicht dazu. Wer mit dieser Erwartung anfragt, bekommt eine klare Absage – das ist keine Koketterie, sondern die Rechtslage.
Was mich an den zwei Wochen verändert hat, war ohnehin weniger das Spektakuläre als die Langsamkeit. Zwei Wochen an einem Ort, an dem niemand etwas von mir wollte. Ich habe dort gelernt, wie viel passiert, wenn man aufhört, etwas herstellen zu wollen. Das ist der Teil, den ich mitgenommen habe und der jede Sitzung hier beeinflusst.
Was gut zusammenpasst
Schamanische Arbeit liefert Bilder. Was diese Bilder bedeuten und was daraus folgt, klärt sich oft mit anderen Methoden.
Häufige Fragen
Was ist schamanische Arbeit genau?
Die Arbeit mit einem bewusst veränderten Wachzustand, meist durch gleichmäßiges Trommeln hergestellt, um an Bilder und Antworten zu kommen, die im Alltagsbewusstsein nicht auftauchen. Dazu gehören Rituale und das Räuchern. Der Anthropologe Michael Harner hat die kulturübergreifenden Gemeinsamkeiten in den 1980er-Jahren als Core-Schamanismus beschrieben – ausdrücklich ohne die Zeremonialkultur einzelner indigener Völker.
Arbeitest du mit Pflanzen oder Substanzen?
Nein. Ich arbeite ausschließlich mit Trommel, Ritual und Räucherwerk. Ich biete keine Pflanzenzeremonien an, vermittle niemanden an Anbieter weiter und berate nicht zu diesem Thema. In Deutschland ist der Umgang mit den entsprechenden Substanzen strafbar, und unabhängig davon gehört so etwas nicht in ein Coaching.
Wie läuft eine Sitzung bei dir ab?
Wir formulieren dein Anliegen als Frage, ich bereite den Raum vor, dann folgt die Trommelreise von fünfzehn bis fünfundzwanzig Minuten. Danach erzählst du, was aufgetaucht ist, und wir übersetzen es in etwas Konkretes. Insgesamt 90 Minuten. Du liegst bekleidet, bist ansprechbar und kannst jederzeit abbrechen.
Wie viele Termine brauche ich?
Meist ist es ein einzelner Termin zu einer bestimmten Frage. Manche kommen an Wendepunkten wieder, mit Abständen von Monaten oder Jahren. Ich arbeite nicht mit Paketen und binde dich an keine Anzahl.
Für wen ist schamanische Arbeit nicht geeignet?
Bei einer akuten psychischen Krise, bei Psychosen in der Vorgeschichte oder während einer laufenden psychotherapeutischen Behandlung ist diese Arbeit nicht der richtige Weg – veränderte Bewusstseinszustände sind dann kein guter Ort. Ebenso wenig geeignet ist sie, wenn du eine Vorhersage suchst oder eine Botschaft von einer bestimmten Person erwartest. Und wenn dir der ganze Rahmen fremd ist und du dich innerlich dagegen sperrst, arbeiten wir besser anders.
Deine Sternstunde
90 Minuten, in denen wir eine erste Herausforderung bearbeiten. Davor führen wir ein kostenloses, unverbindliches Gespräch.
Dein Weg, dein Tempo, deine Entscheidung.
✦ Lass uns kennenlernenVerstehen allein verändert nichts. Ich gehe mit dir an den Ursprung – und in die Umsetzung.
