Systemische Aufstellungsarbeit in Kempten (Allgäu)
Sichtbar machen, was im Hintergrund wirkt – im Einzelsetting, ohne Gruppe.
Systemische Aufstellungsarbeit ist eine Methode, die unsichtbare Beziehungsmuster räumlich sichtbar macht. Statt über ein Thema zu sprechen, wird es aufgestellt – mit Figuren auf dem Tisch, mit Bodenankern im Raum oder als inneres Bild. Ich arbeite damit in meiner Praxis in Kempten (Allgäu) im Einzelsetting. Du brauchst dafür keine Gruppe und keine fremden Stellvertreter.
Wann diese Arbeit passt
Wenn Menschen etwas nicht tun, was sie eigentlich tun wollen, steckt fast immer einer von drei Sätzen dahinter.
- „Ich kann es nicht." Dann fehlt eine Fähigkeit. Das lässt sich üben.
- „Ich will es nicht." Dann geht es um Motivation und innere Widerstände. Dafür gibt es gute Werkzeuge im Coaching.
- „Ich darf es nicht." Und genau hier ist Aufstellungsarbeit stark.
Der dritte Satz ist der leiseste. Er wird selten ausgesprochen, weil er sich nicht wie eine Erlaubnisfrage anfühlt, sondern wie eine Tatsache – wie etwas, das eben so ist. Aufstellungsarbeit macht sichtbar, wer diese Erlaubnis ursprünglich vergeben oder verweigert hat und ob das heute noch gilt.
Häufige Anlässe
- Ein Muster wiederholt sich in Beziehungen, obwohl du es längst durchschaust.
- Eine Entscheidung zwischen zwei Wegen löst sich seit Monaten nicht auf.
- Du hast das Gefühl, an einem Platz zu stehen, der nicht deiner ist.
- Etwas wiederholt sich über Generationen: ein Beruf, ein Bruch, ein Thema, über das nie gesprochen wurde.
- Du trägst eine Verantwortung, die du nie bewusst übernommen hast.
- Du funktionierst gut, aber etwas Wesentliches bleibt seit Jahren an derselben Stelle stehen.
Woran sich ein Muster erkennen lässt
In der Aufstellungsarbeit gibt es Namen für die Formen, in denen sich Menschen in ein System verwickeln. Vielleicht erkennst du dich in einer davon wieder:
- Du bist als Kind in einen Konflikt deiner Eltern hineingeraten (Triangulierung) – und stehst bis heute zwischen zwei Seiten, für die du nie zuständig warst.
- Du hast früh eine Rolle übernommen, die eigentlich einem Erwachsenen gehörte (Parentifizierung) – und übernimmst sie seitdem überall.
- Du reagierst auf deine Partnerin, deinen Partner oder deine Vorgesetzte so, als wäre es ein Elternteil (Doppelbelichtung) – mit Mustern, die zu einer erwachsenen Beziehung nicht passen.
- Du kämpfst mit jemandem einen Kampf, der eigentlich zwei anderen gehört (Verschiebung).
- Du lebst etwas nach, das jemandem vor dir gehörte – ein Schicksal, eine Zurückhaltung, ein Verzicht (Identifizierung).
Diese Muster sind keine Diagnosen. Sie sind Suchrichtungen. In der Aufstellung zeigt sich, welche davon in deinem Fall tatsächlich trägt – und häufig ist es eine andere als erwartet.
So arbeite ich damit
Der Ablauf in fünf Schritten
1. Vorgespräch und Auftragsklärung
Wir klären, worum es geht und was du am Ende anders haben möchtest. Ohne diesen Schritt wird eine Aufstellung beliebig. Das Vorgespräch ist kostenlos und unverbindlich.
2. Dein Systembild
Wir zeichnen auf, wer zu deinem System gehört – bei Familienthemen als Genogramm über zwei bis drei Generationen, bei anderen Themen als Skizze der beteiligten Rollen. Namen, Daten, Brüche, Auffälligkeiten, Wiederholungen. Oft fällt schon hier der erste Groschen, bevor überhaupt etwas aufgestellt ist.
3. Aufstellen
Du wählst für dich und die anderen Beteiligten Stellvertreter aus und verteilst sie – spontan, nach Bauchgefühl, nicht nach Analyse. Wäre die Lösung im Kopf, hättest du sie durch Nachdenken längst gefunden. Drei Formate stehen zur Auswahl:
- Figuren auf der Arbeitsfläche – schnell, gut überblickbar, auch online möglich.
- Bodenanker im Raum – du stellst dich selbst auf jede Position und erlebst sie von innen.
- Das innere Bild – ganz ohne Material, allein mit Vorstellung und Sprache.
4. Wahrnehmen und umstellen
Wir gehen die Positionen durch: Was nimmst du wahr? Wer schaut wohin? Wer fehlt? Dann verändern wir die Anordnung Schritt für Schritt und prüfen, was das mit dem Gesamtbild macht. Nicht jede Veränderung bringt etwas – gerade die, die nichts bringen, sind aufschlussreich.
5. Lösungsbild und Abschluss
Am Ende steht eine Anordnung, in der jeder seinen Platz hat. Häufig gehört ein Satz dazu, der ausgesprochen wird – eine Abgrenzung, eine Rückgabe von etwas, das nie dir gehörte, eine Anerkennung, manchmal eine Erlaubnis. Dieses Bild lassen wir bewusst wirken, bevor wir die Rollen wieder auflösen. Was du mitnimmst, ist kein Merksatz, sondern ein verändertes inneres Bild.
Die drei Ordnungen, an denen ich mich orientiere
Systeme – Familien, Teams, Freundeskreise – folgen erstaunlich ähnlichen Regeln. Drei davon bestimmen, ob Beziehungen tragen oder sich verhaken. Wird eine verletzt, sucht das System nach Ausgleich, meist unbewusst und selten geschickt.
- Zugehörigkeit. Wer dazugehört, gehört dazu – auch wer gegangen ist, ausgeschlossen wurde oder über den nicht gesprochen wird. Wird jemand ausgeklammert, übernimmt oft ein Späterer seinen Platz, ohne es zu wissen.
- Rangfolge. Wer früher da war, hat Vorrang. Kinder folgen Eltern, nicht umgekehrt. Wenn diese Reihenfolge durcheinandergerät, entstehen Konflikte, die sich mit gutem Willen allein nicht lösen lassen.
- Ausgleich von Geben und Nehmen. Beziehungen tragen, solange beide Seiten ungefähr im Gleichgewicht sind. Zu viel Geben belastet eine Beziehung genauso wie zu viel Nehmen.
Diese drei Ordnungen sind kein Regelwerk, das ich dir überstülpe. Sie sind das, worauf ich schaue, wenn ein Bild nicht stimmig wirkt.
Eine Frage, die ich oft stelle: Ist das überhaupt dein Gefühl?
Nicht jedes Gefühl, das wir haben, gehört uns. In der Aufstellungsarbeit unterscheide ich drei Arten – und diese Unterscheidung verändert oft mehr als die Aufstellung selbst.
- Ein ursprüngliches Gefühl ergreift dich ganz. Echte Wut, echte Trauer, echte Freude. Sie kommt, sie ist heftig, und sie geht wieder.
- Ein Ersatzgefühl schiebt sich davor. Jammern statt Wut, Gereiztheit statt Trauer. Es hat einmal geholfen – als Kind, in einer Situation, in der das eigentliche Gefühl nicht sein durfte. Erwachsen ist es nur noch im Weg, weil sich nichts entladen kann.
- Ein übernommenes Gefühl gehörte ursprünglich jemand anderem. Nicht gelebte Trauer, Heimatlosigkeit, Schuld, Ohnmacht – weitergereicht über Generationen. Es ist nicht heftig, sondern dauerhaft da. Und weil es immer da war, hält man es für den eigenen Charakter: „Ich bin eben so."
Wenn ein Gefühl seit Jahrzehnten gleich stark im Hintergrund liegt und sich durch nichts verändert, lohnt die Frage, wem es eigentlich gehört.
Welche Aufstellungsform ich wähle
Nicht jedes Thema braucht dieselbe Form. Die Auswahl treffe ich nach dem Vorgespräch.
- Problemaufstellung. Aufgestellt werden Fokus, Ziel, Hindernis, Ressource. Der Gewinn liegt oft darin, dass sich das, was du für ein Hindernis hältst, als Ressource entpuppt.
- Lösungsaufstellung. Hier bleiben die Hindernisse zunächst außen vor. Aufgestellt werden das Ziel, die Ausnahmen – also die Momente, in denen das Problem schon einmal nicht da war – und das, was du dir wünschen würdest, wenn alles möglich wäre.
- Tetralemma-Aufstellung. Für Entweder-oder-Situationen. Aufgestellt werden vier Positionen: das Eine, das Andere, Beides und Keines von beiden – dazu eine fünfte, offene Position. Genau diese fünfte bricht die Denkschleife auf, in der die meisten festhängen.
Was sich verändern kann
Aufstellungsarbeit erklärt nicht. Sie zeigt. Der Unterschied fällt oft erst in den Tagen danach auf.
- Ein Thema, das sich groß und diffus angefühlt hat, bekommt klare Ränder.
- Zuständigkeiten sortieren sich: Was gehört dir, was gehört jemand anderem.
- Eine festgefahrene Entscheidung wird beweglich, weil eine dritte Möglichkeit auftaucht.
- Ein Gefühl, das du für deinen Charakter gehalten hast, zeigt sich als etwas, das du übernommen hast.
- Loyalitäten, die du nie gewählt hast, verlieren an Gewicht.
Was ich dir nicht verspreche
Nicht jede Aufstellung führt zu einem klaren Bild. Manchmal bleibt zunächst nur eine offene Frage, die sich Wochen später beantwortet. Die Wirkung von Stellvertreterwahrnehmung ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt – das gehört zu einer ehrlichen Einordnung dazu. Und Aufstellungsarbeit ist Coaching, keine Heilbehandlung.
Meine Erfahrung damit
Was mich an dieser Arbeit bis heute überrascht: wie oft sich ein Thema, das seit Jahren im Kreis läuft, in neunzig Minuten neu sortiert. Nicht weil jemand einen klugen Rat gibt, sondern weil sich das Bild verändert. Aus 20 Jahren als Unternehmer kenne ich beide Seiten – Familiensysteme und Systeme, in denen Menschen zusammenarbeiten. Die Ordnungen dahinter sind erstaunlich ähnlich.
Was gut zusammenpasst
Aufstellungsarbeit macht sichtbar. Manchmal braucht das, was sichtbar geworden ist, danach noch einen zweiten Schritt.
Häufige Fragen
Was ist eine systemische Aufstellung genau?
Eine Methode, bei der die Beteiligten eines Themas räumlich angeordnet werden – durch Figuren, Bodenanker oder Stellvertreter. Aus der Anordnung und ihrer Veränderung wird sichtbar, welche Dynamik zwischen ihnen wirkt. Die Methode geht auf die Familienskulptur von Virginia Satir und die Aufstellungsarbeit nach Bert Hellinger zurück und wird heute weit über Familienthemen hinaus eingesetzt.
Geht Aufstellungsarbeit auch ohne Gruppe?
Ja. Ich arbeite überwiegend im Einzelsetting – mit Figuren auf der Arbeitsfläche oder mit Bodenankern. Der Vorteil: Du bestimmst allein das Tempo, und niemand sonst erfährt von deinem Thema. Das Format funktioniert auch online.
Wie läuft eine Sitzung bei dir ab?
Eine Aufstellung dauert bei mir in der Regel 90 Minuten – Vorgespräch, Systembild, Aufstellen, Umstellen, Abschluss. Danach empfehle ich ein bis zwei Tage ohne größere Termine. Das Bild arbeitet nach.
Wie viele Termine brauche ich?
Oft reicht eine Aufstellung für ein klar umrissenes Thema. Wenn sich dabei ein zweites Thema zeigt, das eigenständig ist, entscheidest du in Ruhe, ob du weitermachen willst. Ich arbeite nicht mit Paketen und nicht mit Abos.
Für wen ist Aufstellungsarbeit nicht geeignet?
Wenn du dich aktuell in einer akuten psychischen Krise befindest oder in psychotherapeutischer Behandlung bist, ist Aufstellungsarbeit nicht der richtige Weg – oder nur in Absprache mit deiner Behandlerin oder deinem Behandler. Ebenso wenig geeignet ist sie, wenn du eine Aufstellung machen möchtest, um jemand anderen zu verändern. Aufgestellt wird immer dein Blick auf das System, nicht das System selbst.
Deine Sternstunde
90 Minuten, in denen wir eine erste Herausforderung bearbeiten. Davor führen wir ein kostenloses, unverbindliches Gespräch.
Dein Weg, dein Tempo, deine Entscheidung.
✦ Lass uns kennenlernenVerstehen allein verändert nichts. Ich gehe mit dir an den Ursprung – und in die Umsetzung.
