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Wenn die Beziehung zu Mutter oder Vater alles überschattet

Es gibt eine Belastung, über die kaum jemand offen spricht: die schwierige Beziehung zu den eigenen Eltern. Vielleicht kennst du das Gefühl, dich nach jedem Telefonat mit deiner Mutter tagelang schlecht zu fühlen. Vielleicht hast du den Kontakt abgebrochen und trägst seitdem eine Mischung aus Erleichterung und Schuld mit dir herum. Vielleicht merkst du auch, dass sich das Thema in deine Partnerschaft hineinzieht. Darüber möchte ich heute mit dir sprechen.

Du bist damit nicht allein

Das Erste, was ich dir sagen möchte: Diese Situation betrifft sehr viele Menschen. Sie ist keine Ausnahme, auch wenn sie sich so anfühlt. In meiner Praxis begegnet mir dieses Thema so häufig, dass ich es als eines der zentralen Muster überhaupt bezeichnen würde.

Belastend ist es dabei nicht nur für dich, sondern für das ganze Familiensystem. Ein Kontaktabbruch ist selten die Entscheidung eines Einzelnen, die alle anderen unberührt lässt. Er verändert das gesamte Gefüge – bei Geschwistern, beim anderen Elternteil, manchmal bis in die nächste Generation hinein.

Warum Verstehen allein nicht reicht

Viele Menschen, die zu mir kommen, haben ihr Thema längst durchdacht. Sie können erklären, was in ihrer Kindheit passiert ist. Sie kennen die Muster ihrer Eltern. Manche waren in Therapie und haben dort wertvolle Einsichten gewonnen.

Und trotzdem sitzt das Gefühl weiter im Körper. Das ist keine Schwäche und kein Versagen. Es liegt daran, dass Verstehen und Fühlen zwei unterschiedliche Ebenen sind. Der Kopf kann längst wissen, dass die Mutter selbst überfordert war – und das innere Kind fühlt trotzdem weiter, dass es nicht genug war.

Genau hier setzt Aufstellungsarbeit an. Sie umgeht den Intellekt und geht direkt an die Wurzel. Wie sich solche emotionalen Blockaden lösen lassen, beschreibe ich in einem eigenen Beitrag.

Was sichtbar wird, wenn man das System anschaut

In der Aufstellungsarbeit schauen wir uns die Struktur deiner Familie an. Wer steht wo, wer trägt was, wo fehlt jemand, wo ist etwas aus der Ordnung geraten. Häufig gehen wir dabei mehrere Generationen zurück.

Was dabei oft auftaucht, ist überraschend: Die Eltern haben nicht gehandelt, wie sie gehandelt haben, weil sie dich nicht liebten. Sie haben so gehandelt, weil sie selbst in etwas eingebunden waren, das sie nicht durchschauten. Weil sie eine Last trugen, die sie nie ablegen konnten. Weil ihnen niemand gezeigt hat, wie es anders geht.

Das ist keine Entschuldigung. Es entwertet nichts von dem, was dir geschehen ist, und du musst nichts verzeihen, wozu du nicht bereit bist. Aber es verändert etwas Grundlegendes: Aus einer Verletzung, die sich gegen dich persönlich gerichtet hat, wird eine Dynamik, die viel größer ist als du.

Ein Beispiel aus meiner Arbeit

Ich möchte dir eine Situation schildern, die mir aus meiner Praxis in Erinnerung geblieben ist – anonymisiert, aber im Kern so, wie sie sich zugetragen hat. Sie steht stellvertretend für viele.

Eine Kundin kam zu mir, die sich mit ihren Eltern verworfen und den Kontakt abgebrochen hatte. In jungen Jahren hatte es viele Verletzungen gegeben. Ihr ging es ohne diesen Kontakt besser, und das war eine legitime Entscheidung – aber es war zugleich eine sehr belastende Situation, für sie und für die gesamte Familie.

In der Aufstellungsarbeit hat sich gezeigt, warum die Eltern so reagiert und gehandelt hatten. Daraus entstand bei ihr ein tiefes Verständnis für die Art und Weise, wie in ihrer Familie kommuniziert wurde. Diese Situation konnten wir in der Session auflösen.

Einige Wochen später hat sie nach vielen Jahren wieder mit ihrem Vater telefoniert. Sie beschrieb es als ein offenes, ehrliches und angenehmes Gespräch. Für sie war das ein wichtiger erster Schritt zurück in die Verbindung zu ihren Eltern.

Was ich dir dabei nicht verspreche

Ich erzähle dir das nicht, damit du dasselbe erwartest. Ich weiß nicht, was bei dir geschieht.

Vor allem ist das Ziel meiner Arbeit nicht die Versöhnung. Manchmal ist es richtig, den Kontakt nicht wieder aufzunehmen, und niemand hat das Recht, dir das auszureden – ich am wenigsten. Das Ziel ist, dass du frei wirst. Ob du danach wieder in Kontakt gehst oder nicht, ist deine Entscheidung, und beide Wege sind in Ordnung. Es macht nur einen enormen Unterschied, ob du dich aus Verletzung fernhältst oder aus Klarheit entscheidest.

Wie wir daran arbeiten

Ich arbeite ausschließlich im Einzelsetting, mit Figuren und Bodenankern statt mit fremden Stellvertretern. Gerade bei Elternthemen ist das für viele Menschen entscheidend – sie möchten ihre Kindheit nicht vor einer Gruppe ausbreiten.

Eine dedizierte Aufstellungssession dauert zwei bis drei Stunden, mit einem kurzen Vorgespräch. Wir treffen uns dafür in Kempten (Allgäu) oder arbeiten online, ganz wie es für dich stimmig ist. Im Ergebnis macht das keinen Unterschied. Den genauen Ablauf beschreibe ich hier: Familienaufstellung in Kempten: Wie ich im Einzelsetting arbeite.

Falls du dich fragst, woran du überhaupt erkennst, wem du dich anvertrauen kannst: Woran du einen seriösen Aufstellungsleiter erkennst.

Ein Hinweis, der mir wichtig ist: Wenn deine Belastung sehr tief geht, wenn du dich in einer akuten Krise befindest oder wenn Traumafolgen im Vordergrund stehen, dann gehört das in ärztliche oder psychotherapeutische Hände. Das sage ich dir offen, wenn ich es merke.

Lass uns darüber sprechen

Wenn dich dieses Thema seit Langem begleitet, dann lade ich dich herzlich zu einem kostenlosen, unverbindlichen Kennenlerngespräch ein. Du musst dabei nichts erzählen, wozu du nicht bereit bist.

Ich freue mich zutiefst auf unsere Begegnung. Dein Andreas.

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